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Positionspapier 2018

Das neue Positionspapier 2018

Im Rahmen der 11. Internationalen Woche des Gundeinkommens wurde das Positionspapier, das an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst wurde, öffentlich vorgestellt
Dem bedingungslosen Grundeinkommen als Richtungsforderung entsprechen die vier Kriterien des Netzwerks.
Das emanzipatorische Grundeinkommen muss universell, personenbezogen, die Existenz- und die Teilhabe sichernd sowie bedingungslos sein.

Das neue Positionspapier 2018

Emanzipatorisches  Grundeinkommen  als  solidarische  Perspektive  

Positionspapier des Netzwerks Grundeinkommen  und sozialer Zusammenhalt – B.I.E.N. Austria 2018 

Wir  treten  für  ein  bedingungsloses  Grundeinkommen  ein  -  im  Sinne  eines  Rechts  auf  soziale  Sicherheit  

-  angesichts  der  Herausforderungen,  die  mit  den  gegenwärtigen  Entwicklungen  unserer Gesellschaft  (wie  Digitalisierung,  ökologische  Krise,  Industrie  4.0)  verbunden  sind  

-  und  in  der  Überzeugung,  damit  sowohl  die  individuelle  Wahlfreiheit  in  der  Lebensführung  als  auch  den  sozialen  Zusammenhalt  der  Gesellschaft  zu  bestärken.  

 

Emanzipatorisches  Grundeinkommen  als  solidarische  Perspektive  

  • heißt,  nicht  jede  angebotene  Lohnarbeit  unter  allen  Umständen  annehmen  zu  müssen ●  ermöglicht  es  allen,  nicht  bezahlte  aber  gesellschaftlich  notwendige  Arbeit  zu  leisten  
  • bedeutet  ein  Abgehen  von  bisherigen,  auf    Repression  basierenden  Formen  sozialstaatlicher  Absicherung
  • erhöht  die  Wahlmöglichkeiten  des  bzw.  der  Einzelnen  in  Bezug  auf    die  eigene      Lebensgestaltung  
  • ist  ein  adäquates  Mittel,  um  allen  Menschen  in  einer  menschenwürdigen  Art  und      Weise  gesellschaftliche  Teilhabe  zu  ermöglichen  
  • ist  ein  Baustein  der  Veränderung  einer  Gesellschaft  weg  vom  zerstörerischen  Wachstumszwang  mit      seinen  dramatischen  ökologischen  Folgen  

 Nicht  jeden  Job  um  jeden  Preis  annehmen  zu  müssen,  weil  die  Menschen  eine  deutlich  gestärkte  Verhandlungsposition  haben;  selbst  entscheiden  zu  können,  in  welchem  Ausmaß  welcher  Art  von   Tätigkeit oder  Arbeit  nachgegangen  wird;  frei  zwischen  Erwerbsarbeit  und  anderer  Arbeit  kombinieren   zu  können  –  das entspricht  unserem  Menschen-  und  Gesellschaftsbild.  

Wir  gehen  davon  aus,  dass  der  Mensch  fähig  ist,  verantwortlich  mit  einem  Mehr  an  Freiheit   umzugehen.  Es  geht  eben  nicht  bloß  um  Armutsbekämpfung,  sondern  um  die  materielle  Absicherung  von  Teilhabechancen,  um  gelebte  Menschenwürde  und  selbstbestimmte  Lebensentwürfe.  Es  soll  letztlich  nicht  der  Markt  entscheiden,  welche  Art  von  Tätigkeit  gesellschaftlich  wertvoll  ist  und  welche  nicht.  Über  den  Markt  sind  viele  sinnvolle  und  gesellschaftlich  notwendige  Tätigkeiten  nicht  organisierbar,  sie  finden  dort  keine  gesellschaftliche  Realisierungschance   bzw.  Anerkennung.  „In  Freiheit  tätig  sein“  ist  eine  zukunftsorientierte  solidarische  Perspektive.   Sie  geht  davon  aus, dass  die  Gesellschaft  fähig  ist,  sich  im  Lauf    der  Geschichte  radikal  zu  reformieren  und  zum  Besseren weiterzuentwickeln.  

Baustein  einer  solidarischen  Zukunft  

Wir  sprechen  vom  emanzipatorischen  Grundeinkommen,  weil  wir  das  BGE  als  Baustein  einer  künftigen  solidarischen  Welt  ansehen.  Einer  Welt,  in  der  die  Produktion  den  Menschen  dient  –  und  nicht  umgekehrt.  Unverzichtbare  Schritte  in  diese  Richtung  sind  die  Umverteilung  gesellschaftlichen  Reichtums  von   oben  nach  unten,  das  Schließen  der  „sozialen  Schere“  zwischen  Arm  und  Reich,  sowie  ein  solidarisches   Handeln  in  Bezug auf    die  Länder  des  globalen  Südens.  

Ein  „Gutes  Leben  für  alle“  ist  möglich,  bedarf    aber  grundsätzlicher  Weichenstellungen  in  Politik   und  Wirtschaft.  Grundeinkommensmodelle,  die  nur  oder  vorrangig  auf   Massenbesteuerung  (z.B.  durch   eine  radikale  Erhöhung  der  Mehrwertsteuer)  abzielen  und  somit  die  gegenwärtige  Tendenz  der  Umverteilung  von  Arm  zu  Reich  verstärken,  lehnen  wir  deshalb  ab.  Ein  solidarisches  Grundeinkommen  ist  finanzierbar!  Immer  mehr  Männer  und  Frauen  verfügen  in  einer  immer  reicher  werdenden  Gesellschaft  über  kein  existenzsicherndes  Einkommen,  sei  es  aus  Erwerbsarbeit   oder  als  Erwerbsarbeitslose.  Entgegen  der  Vorstellung,  dass  die  Erwerbslosen  selber  Schuld  an   dieser  Situation  seien, gehen  wir  davon  aus,  dass  der  beschleunigte  technologische  Wandel  nicht   ausreichend  menschenwürdige  Arbeitsplätze  mit  existenzsichernden  Einkommen  schafft.  Dies  vermag  aber  auch  keine  Politik,  die  glaubt,  alleine  mit  Wirtschaftswachstum  und  Standortwettbewerb  gegensteuern  zu  können.  Sie  kann  keine  positive  Vision  einer  gerechten  Zukunft  vermitteln.  Erst  jenseits  der  allgemeinen  Verpflichtung  zur  Lohnarbeit  und  zum  Wirtschaftswachstum  entstehen  die  Umrisse  einer  Gesellschaft,  die  ein  gutes  Leben  für  Alle  ermöglicht.  

Ein  gutes  Leben  für  Alle  –  weltweit!  

Wie  aber  soll  der  gesellschaftliche  Modus  sein,  der  allen  Menschen  ihren  Anteil  am  gesellschaftlichen  Reichtum  sichert,  wenn  Erwerbsarbeit  alleine  diese  Funktion  nicht  mehr  hat  und  auch  nicht  mehr  haben  soll?  Wir  denken,  dass  ein  emanzipatorisches  bedingungsloses  Grundeinkommen  ein  zentraler  Baustein  davon  ist,  und  zwar  nicht  nur  in  den  reichen  Ländern  des  Nordens.  Diskussionen  und  Experimente  mit  dem  bedingungslosen  Grundeinkommen  im  globalen  Süden  zeigen  die  internationale  Dimension.  Wir  verstehen  uns  als  Teil  dieser  internationalen  Bewegung  für  ein  bedingungsloses  Grundeinkommen.  Reiche  Länder  wie  Österreich,  die  von  der  Ausbeutung  des  globalen  Südens  profitieren,  haben  eine  besondere  Verantwortung.  Ziel  eines  emanzipatorischen  Grundeinkommens  ist  es  daher,  eine  solidarische  Perspektive  sozialer  Sicherheit  hier  zu  entwickeln  und  einen  adäquaten  Beitrag  für  die  ärmeren  Länder  und  deren  Entwicklung  zu  leisten,  d.h.  auch entsprechende  Finanzmittel  zur  Verfügung  zu  stellen  (z.B.  durch  die  Besteuerung  von  Devisentransaktionen). 

Die  ersten  Schritte  in  Richtung  Grundeinkommen  können  kurzfristig  unternommen  werden.  Dies  zeigen  die  verstärkten  Diskussionen  und  Experimente  in  zahlreichen  Ländern.  Daraus  lassen  sich  Erfahrungen  für  erwünschte  und  mögliche  unerwünschte  Wirkungen  eines  BGE  gewinnen.  Uns  ist  bewusst,  dass  vor  allem  in  den  Medien  Vieles  als  Grundeinkommen  bezeichnet  ist,  das  diese  Bezeichnung  nicht  verdient.  Lediglich  einzelne  Elemente  eines  bedingungslosen  Grundeinkommens  führen  nicht  zu  einer  Verbesserung  der  sozialen  Situation  der  Mehrheit  der  Bevölkerung.  Sie  können  vielmehr  der  Privatisierung  oder  gar  Zerstörung  sozialer  Sicherungssysteme  dienen  und  haben  mit  einem  emanzipatorischen  Grundeinkommen  nichts  zu  tun.  

Das  emanzipatorische  Grundeinkommen  baut  vielmehr  auf    den  vier  unverzichtbaren  Kriterien  auf:  

Bedingungslos  soll  das  von  uns  geforderte  Grundeinkommen  sein,  weil  wir  in  einem  Grundeinkommen  ein  BürgerInnenrecht  sehen,  das  nicht  von  Bedingungen  (Arbeitszwang,  Verpflichtung  zu  gemeinnütziger  Tätigkeit,  geschlechterrollen-konformes  Verhalten)  abhängig  gemacht  werden  kann.  

Universell  soll  das  Grundeinkommen  sein,  weil  es  nicht  diskriminierend  sein  soll.  Es  soll  also  jeder  und  jedem  zugute  kommen,  die/der  auf    Dauer  in  einem  bestimmten  Land  lebt.  In  der  Festsetzung  der  Höhe  des  Grundeinkommens  unterscheiden  wir  zwischen  Kindern/Jugendlichen  und  Erwachsenen.  

Personenbezogen.  Als  BürgerInnenrecht  steht  Grundeinkommen  einer  jeden  Person  zu  und  darf    nicht  abhängig  gemacht  werden  von  der  Einkommens-  oder  Vermögenssituation  eines  Familienmitgliedes  oder  eineR  MitbewohnerIn.  

Existenzsichernd.  Grundeinkommen  soll  eine  echte  Teilhabe  (materiell,  sozial,  kulturell)  am  gesellschaftlichen  Leben  ermöglichen.  Daher  muss  es  auch  in  existenzsichernder  Höhe  ausgezahlt  werden.  

Weichenstellungen  für  die  Innovation  der  sozialen  Systeme  im  21.Jahrhundert  sind  möglich  –  und  notwendig!  Ein  emanzipatorisches  bedingungsloses  Grundeinkommen  ist  ein  wesentlicher  Schritt  in  diese  Richtung.  

Konkrete  Schritte  zu  einem  emanzipatorischen  Grundeinkommen:  

  • Ersatzlose  Streichung  der  derzeitigen  gesetzlichen  Möglichkeit,  Sperren  des  Bezuges        von  Versicherungs-  und  Transferleistungen  zu  verhängen;  Freiwilligkeitsprinzip  bei  Kursbesuchen          des  Arbeitsmarktservice  
  • Kostenlose  budgetfinanzierte  Kranken-  und  Unfallversicherung  für  alle,  die  bisher  nicht  versichert  sind
  • ●  Einführung  des  BGE  im  Rahmen  eines  „Lebensphasenmodells“,  z.B.  als  echte  Kindergrundsicherung.  
  • Besteuerung  menschlicher  Arbeitskraft  verringern,  die  Besteuerung  von  Wertschöpfung  und Ressourcenverbrauch  erhöhen  (öko-soziale  Steuerreform)  
  • Allgemeine  Steuerveranlagung  als  Grundlage  für  individuelle,  auszahlbare  Steuergutschriften  (Negativsteuer)

 Wien,  im  September  2018  

Netzwerk  Grundeinkommen  und  sozialer  Zusammenhalt  –  B.I.E.N.  Austria 

www.grundeinkommen.at  

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