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Lieselotte Wohlgenannt ist tot

„In ihrem Sinne an der Umsetzung des Grundeinkommens weiterarbeiten“ 

Trauer um Netzwerkmitglied Lieselotte Wohlgenannt

Am 29.Mai 2020 ist Dr.in Lieselotte Wohlgenannt in Bregenz gestorben.

Einer breiten Öffentlichkeit ist sie durch ihre Publikationen – gemeinsam mit Herwig Büchele – „Grundeinkommen ohne Arbeit. Auf dem Weg zu einer kommunikativen Gesellschaft“ (1985) und „Den öko-sozialen Umbau beginnen: Grundeinkommen“ (1990) bekannt. Die mit diesen Büchern angestoßene Diskussion in Österreich, im deutschsprachigen Raum, in Europa hat die Sozialwissenschaftlerin Lieselotte Wohlgenannt durch ihre Vortrags- und Autorinnentätigkeit über viele Jahrzehnte mitbestimmt. Sich Diskussionen über das Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommens zu stellen war für sie ebenso selbstverständlich wie die Auseinandersetzungs-bereitschaft mit weltanschaulich ganz unterschiedlichen GesprächspartnerInnen.

Sie war der Überzeugung, dass es Anlässe und Räume braucht, um die Idee des Grundeinkommens voran zu bringen. Nicht zuletzt ihrer Bedeutung als Grundeinkommensdenkerin ist es zu verdanken, dass zwei Grundeinkommens-Kongresse in Wien stattgefunden haben: 1996 von BIEN und 2005 der erste deutschsprachige Grundeinkommenskongress. Mit bekannten GrundeinkommensexpertInnen auf europäischer Ebene, wie etwa Philippe van Parijs, Claus Offe, Ilona Ostner, Guy Standing war sie bestens vernetzt. Ihr Interesse an der internationalen Zusammenarbeit zeigt sich in ihrer „lifelong membership“ im zunächst europäisch und später dann weltweit organisierten Netzwerk BIEN – Basic Income Earth Network.

Besonders eingesetzt hat sich Lieselotte Wohlgenannt für die Gründung des österreichischen Netzwerks Grundeinkommen und sozialer Zusammenhalt – BIEN Austria im Jahr 2002, an dessen Zusammenkünften und Aktivitäten sie noch bis vor kurzem teilnahm. Das Netzwerk verdankt ihr zahlreiche inhaltliche und strategische Impulse. Beispielgebend war Lieselotte Wohlgenannt in ihrem Optimismus, dass sich die Idee, ein allgemeines Grundeinkommen auf der Basis der Rechte aller Menschen auf Teilhabe an den Gütern der Erde und den kulturellen, wissenschaftlichen und technologischen Werten - als Realisierung des Menschenrechts auf Leben - durchsetzen wird. Geprägt von ihrer über zehnjährigen Tätigkeit im Nationalbüro der Katholischen Schulen von Zaire (jetzt Demokratische Republik Kongo) waren Menschenrechte für sie universell und nie nur regional und national zu denken.

Im Jahr 2007 nahm sie, im Alter von 76 Jahren, als Vertreterin Österreichs an einer Konsultation im Europäischen Parlament zum Bedingungslosen Grundeinkommen teil. In ihrem damaligen Vortrag zeigten sich ihr Menschen- und Gesellschaftsbild sowie ihre tiefe demokratische Einstellung. Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens verband sie mit der Vorstellung des Tätigseins in Freiheit. Sie war zutiefst davon überzeugt, dass es eine Befreiung menschlicher Tätigkeit aus der Gestalt der Erwerbsarbeit des 20.Jahrhunderts braucht und Freiheit für neue Formen menschlicher Tätigkeit für die Wissens-Gesellschaft des 21.Jahrhunderts. Gesellschaftliche Teilhabe, so ihre Ansicht, hat viele Dimensionen: Freiheitsrechte, politische und soziale Menschenrechte. „Es braucht freie, d.h. auch ökonomisch freie, gebildete, politisch engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich für diese Rechte einsetzen und dafür sorgen, dass sie als wirksames, sanktionierbares Recht in staatlichen Gesetzen verankert sind.“

siehe auch https://www.grundeinkommen.de/15/06/2020/trauer-um-lieselotte-wohlgenannt.html

 

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